Silvio Zanella

Aus dem Katalog zur Retrospektive in Gallarate, 1991

 

Das Panorama der Schaffensjahre von Gastone Cecconello lässt sich in zwei klar abgegrenzte Phasen unterteilen, die durch eine tiefgreifende Zäsur voneinander getrennt sind – so, als hätte ein erschütterndes Ereignis in seinem Leben, vor allem aber in seiner Seele, eine neue Art des Liebens, des Lebens und des künstlerischen Schaffens bestimmt. Wir schreiben das Jahr 1986. Auf der einen Seite dieser Trennlinie steht die symbolträchtige und existenzielle Kunst, die ausschließlich dem Thema „Mensch“ gewidmet ist; auf der anderen Seite entwickelt sich eine Malerei, die sich ganz der Natur verschreibt und die tatsächlich selbst Natur sein will. Zwei weitere Leidenschaften in Cecconellos Kunst: die Liebe zur Malerei und zur Bildhauerei, die ihm beide angeboren sind, oft miteinander verbunden und in den Werken der ersten Schaffensphase untrennbar miteinander verflochten.

Die Betonung der Forschungsergebnisse verdeutlicht das Nebeneinander zweier wichtiger Werte: zum einen den relevanten kulturellen Einfluss, den er aus der Kunst unserer Zeit aufgenommen hat und der seine Werke zum Ergebnis einer gekonnten und klugen Gestaltung macht, und zum anderen die ihm eigene Ader von primitivem oder barbarischem (wenn nicht gar stammesartigem) Charakter, durch die seine Schöpfungen – insbesondere die skulpturalen – jene Frische und Spontaneität besitzen, die dem fast zufällig entdeckten und gefundenen Objekt innewohnt.

Die Werke der ersten Schaffensphase, die zwölf Jahre dauerte und natürlich auf die anfängliche Ausbildungsphase folgte, widmen sich ausnahmslos der Darstellung der Lebensumstände des zeitgenössischen Menschen. Sie verdeutlichen die Isolation, die Einsamkeit, die Entwürdigung und den Identitätsverlust des Menschen, der von der mechanisierten Zivilisation manipuliert wird.

Eine solche Botschaft – schmerzhaft und tragisch – vermittelt Cecconello, ohne auf Übertreibungen und Rhetorik zurückzugreifen, sondern mit Klarheit, Einfachheit und formaler Unmittelbarkeit, wobei er sie weitgehend dem Symbol des anonymen Mannes anvertraut – einem skulpturalen, lyrischen und metaphysischen Vielfachen seiner selbst, das in immer neuen bildlichen und materiellen Darstellungen eingebunden und zugleich deren Protagonist ist.

Die naturalistischen Gemälde des zweiten Zyklus – des vorliegenden – präsentieren sich in einer neuen Form, einer neuen Sprache und mit anderen Inhalten. Sie können als ein ausgereifter Entwicklungsstand des Neorealismus der Poebene der 1950er- und 1960er-Jahre betrachtet werden, auf den die gestische Wirkung des Automatismus, der eine mit Farbe und Licht aufgeladene, magmatische Materie gekonnt zum Leben erweckt, entscheidend einwirkt.

Mit seinen neuesten Werken beabsichtigt Cecconello nicht, Landschaftsbilder wieder aufzugreifen, sondern uns das Bild der Natur durch das mitreißende Wirken der in ihr aktiven und im Gemälde zum Ausdruck gebrachten Kräfte zu vermitteln.