Im Jahr 2025 feiert Bondarte sein vierzigjähriges Bestehen: In dem kleinen Weiler Bonda bei Mezzana Mortigliengo gründete Cecconello nach dem Vorbild von Celso Tempia ein Freilichtmuseum für moderne Kunst – ein Zeugnis des Gemeinschaftsgeistes und der allgegenwärtigen Schönheit.
Ein Jubiläum, das auch heute noch von Bedeutung ist
NIm Jahr 2025 jährt sich zum vierzigsten Mal die Gründung von Bondarte, dem von Gastone Cecconello konzipierten und realisierten Freilichtmuseum für moderne Kunst im Herzen der Hügel von Biella.
Vierzig Jahre – das ist nicht nur ein Datum, sondern das Zeichen einer Vision, die bis heute lebendig ist: die eines Künstlers, dem es gelang, ein kleines, in Vergessenheit geratenes Dorf in eine Werkstatt der Kunst und des Lebens zu verwandeln.
Es war das Jahr 1985, als Cecconello auf dem Höhepunkt seiner intensiven künstlerischen Schaffensphase beschloss, einen Traum zu verwirklichen, der seine poetische Ästhetik mit seiner tiefen Verbundenheit zur Region verband. In jenen Jahren erlebte der Künstler eine Phase reger Tätigkeit: Dutzende Einzelausstellungen in Italien und im Ausland, Kooperationen mit Galerien und Museen sowie der kurz zuvor begonnene Weg, der eine ganze Epoche prägen sollte. Nur ein Jahr zuvor hatte er in Maglione unter der Leitung des Regisseurs und Schriftstellers Maurizio Corgnati den ersten Freskenzyklus eingeweiht, aus dem später das MACAM – Museo di Arte Contemporanea all’Aperto di Maglione (Museum für zeitgenössische Kunst im Freien von Maglione) hervorgehen sollte, das heute als wegweisendes Beispiel für weit verbreitete öffentliche Kunst anerkannt ist.
Die Idee: ein Freilichtmuseum im Dorf Bonda
In diesem Sinne beschloss Cecconello, Bondarte zu gründen. In dem kleinen Ort Bonda, einem Ortsteil von Mezzana Mortigliengo (Biella), wo er kurz zuvor ein kleines Wohnhaus mit Atelier renoviert hatte, schuf er eine erste Freskenreihe direkt an den Wänden der Häuser und verwandelte so die Straßen des Ortes in einen Kunstparcours unter freiem Himmel.
Schon bald bezog er Freunde und Malerkollegen mit ein und schuf so ein gemeinschaftliches Projekt, das eine für die damalige Zeit revolutionäre Idee verkörperte: Kunst als gemeinsames Erlebnis, eingebettet in die Landschaft und für alle zugänglich.
„Bondarte“ war nie nur eine Ausstellung: Es war eine Art, die Malerei zu erleben und durch Farbe und Material mit Menschen in Kontakt zu treten.
Das Dorf erwachte zum Leben – durch Menschen, Gespräche, einfache und visionäre Gesten. Dort, wo Zeit und Verfall Stille hinterlassen hatten, entstand eine Form von Gemeinschaft. Und noch heute strahlen diese Werke den Geist dieses Unterfangens aus, als Erinnerung an eine Zeit, in der die Kunst es verstand, zum Leben zu erwachen.
Bilder von der Website www.bondarte.it
Die Würdigung in der Zeitschrift „Rivista Biellese“
Anlässlich des 40-jährigen Jubiläums von Bondarte veröffentlichte die Oktoberausgabe der Zeitschrift „Rivista Biellese“, die vom DOC.BI Centro Studi Biellese herausgegeben wird, einen Artikel von Gastones Sohn Manuele Cecconello, einem mehrfach preisgekrönten Regisseur und Dokumentarfilmer.
Auf den Seiten seines Buches – von dem Sie hier einen Auszug lesen können – lässt Manuele die glorreichen und strahlenden Momente jener Jahre Revue passieren und vermittelt dem Leser dabei nicht nur die Chronik, sondern auch das Wesen einer Erfahrung, die auch heute noch von Vision, Gemeinschaft und Hoffnung zeugt.
„Bondarte war nicht nur ein Ort, sondern eine Sichtweise.
Ein gemeinschaftliches Experiment, eine Form des poetischen Widerstands.“Manuele Cecconello, „Rivista Biellese“, Oktober 2025
In seinen Worten lebt das Bild eines Vaters wieder auf, der, mit Pinseln und Kalk bewaffnet, im Freien unter dem schillernden Licht der Region Biella malte, während um ihn herum ein kleines Wunder Gestalt annahm: die Begegnung zwischen Kunst und Region.

Die Rückkehr: Ein Videodokument zwischen Erinnerung und Zukunft
Im Herbst 2024 kehrte Manuele Cecconello gemeinsam mit seinem Vater an die Schauplätze von Bondarte zurück und drehte ein Dokumentarvideo, das die Feierlichkeiten zum vierzigjährigen Jubiläum begleitet. Das Video ist nicht nur ein Zeitzeugnis, sondern ein Dialog zwischen den Generationen: Der Blick des Sohnes, des Regisseurs, verflechtet sich mit dem des Vaters, des Künstlers, in einer Auseinandersetzung zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Kunstwerk und gelebtem Leben.
Die Kamera folgt Gastone Cecconello, während er durch die Gassen, an den Mauern entlang und an den Ausblicken eines Dorfes entlangschreitet, das die Zeit zwar verändert hat, das aber noch immer die Kraft der Erinnerung bewahrt.
Cecconello betrachtet seine Fresken, jene seiner Freunde und der Künstler, die nach ihm kamen; er schaut zu, schweigt, lächelt manchmal. Sein Gang zeugt von der Nüchternheit dessen, der weiß, dass die Zeit der Kunst nicht mit der der Dinge übereinstimmt.
Ein Erbe, das auf neue Hüter wartet
Das 40-jährige Jubiläum von Bondarte ist nicht nur ein Anlass zum Feiern, sondern auch ein Aufruf zur Verantwortung. Wie Manuele Cecconello in seinem Artikel weiter schreibt:
„Das kleine Dorf wird vielleicht nie wieder das sein, was es einmal war, aber es kann noch etwas werden – vorausgesetzt, dass jemand dort lebt, sich Gedanken darüber macht und ihm Gehör schenkt. Es ist Zeit für ein neues Bündnis zwischen Kunst und Region, zwischen denen, die bleiben, und denen, die vielleicht noch kommen werden. Vielleicht bedarf es einer anderen Form des Mäzenatentums (eher zivil als vermögensorientiert) oder einfach einer Geste: der Entscheidung, einen wertvollen und in Vergessenheit geratenen Ort auszuwählen und ihn als den eigenen anzuerkennen. Möge eine neue Generation mit anderen Augen in den Falten dieser Geschichte die Möglichkeit einer Zukunft erkennen. Denn wenn nichts übrig bleibt, kann alles von Neuem beginnen. Auch in Bonda.“
Worte, die wie eine eindringliche Aufforderung klingen, Bondarte nicht wieder in Vergessenheit geraten zu lassen.
Das kleine Dorf kann wieder zum Leben erweckt werden, wenn es jemandem gelingt, jenen Funken der Kreativität und Fürsorge wieder zu entfachen, der vor vierzig Jahren Gastone Cecconello und seine Malerfreunde beseelte. Bondarte ist nicht nur ein Kapitel der zeitgenössischen Kunstgeschichte: Es ist ein noch immer fruchtbarer Same, bereit, zu neuen Formen der Teilhabe, der Kultur und der Gemeinschaft zu sprießen. Denn so wie Cecconello uns gelehrt hat, dass jede Wand zur Leinwand werden kann, möchten wir glauben, dass jede Geste, auch die kleinste, ein Anfang sein kann.






