Die in dieser Ausstellung gezeigten Kompositionen aus verschiedenen Materialien – die zwar nicht ausschließlich, aber doch das Rückgrat der Ausstellung bilden – veranschaulichen die zentrale Ausdrucksform in Gastone Cecconellos Kunst. Angelo Giardino

2003

Anmerkungen zu Universalgelehrten

 

Als ausgebildeter Maler hat er bei der Gestaltung seiner Assemblagen die Malerei nicht aufgegeben, sondern hat sie zu einem der Mittel gemacht, die er bei einer Suche einsetzt, die sich an den Grenzen der bildenden Künste bewegt und reichlich von jenen Verfahren der Dekontextualisierung und Rekontextualisierung von Objekten (selbst solchen, die eigentlich weniger bedeutsam sind) Gebrauch macht, die bereits anderen künstlerischen Strömungen des 20. Jahrhunderts am Herzen lagen. Das Ergebnis ist äußerst originell und entfaltet eine ganz eigene darstellerische Wirksamkeit. Cecconellos Universalgelehrte bilden eine Welt für sich, die einen eisernen Griff auf die reale Welt ausübt und die durch einen Prozess der Ausarbeitung zu einer Darstellung gelangt, die die statische und ernste Kraft der Ikone, die unumstößliche Genauigkeit des Symbols und die Inbrunst des religiösen Bildes besitzt.

Cecconello ist ein Künstler, der sich nicht vor der Welt scheut; im Gegenteil, er setzt sich mit ihr in all ihren Facetten auseinander – mit ironischer Offenheit und einer von Grund auf spielerischen Haltung. Er versucht nicht, die Realität der Geschichte und der Nachrichten durch eine Fiktion zu ersetzen, sondern eröffnet in seiner Kunst einen Darstellungsprozess, der die reale Welt neu verortet und sie in einem anderen Licht, in einer noch realeren Welt, offenbart. Man könnte sagen, dass die alltägliche Realität in seinen Augen ein Kartenspiel ist, mit dem man eine Unendlichkeit anderer Spiele erfinden und kühne Konstruktionen errichten kann.

Diese Darstellung beinhaltet weder Gerichtsverfahren noch, geschweige denn, Urteile: Stattdessen wird es der Ikone anvertraut – sei es die anonyme Halbbüste, die das wiederkehrende Hauptmotiv der Universalgelehrten bildet, oder irgendein anderer Gegenstand, den der Künstler aufgreift und umdeutet, wodurch er dessen Bedeutung radikal verändert –, die Aufgabe, das verstreute und chaotische Rätsel mit ihrer stillen Fragestellung zu veranschaulichen: In der Strenge seiner Darstellung verstärkt Cecconello die Kraft der Sphinx, indem er ihre Präsenz in jedem Objekt andeutet, selbst in den banalsten und harmlosesten, die manchmal eine Seele in einem (zuvor ungeahnten) „An-sich“ finden, manchmal diese durch die Beziehungen zu anderen, ebenso (zuvor) unbedeutenden Objekten erlangen. Und darin liegt der wesentliche Wert des imaginativen Schaffensprozesses des Künstlers: Tatsächlich greift Cecconello mit seinen Kompositionen – mit ungebrochener Ehrfurcht – die zentrale Frage auf, die Gauguin einem seiner Meisterwerke zum Titel gab: Wer sind wir, woher kommen wir, wohin gehen wir?